Gesell 2019 - Handwerk feiert seine neuen Gesellinnen und Gesellen

28. Oktober 2019

Sechs bis acht Wochen Wartezeit – damit, so der stellvertretende Kreishandwerksmeister Frank Herrmann (Bild oben), müssten Kunden derzeit rechnen, wenn sie einen Handwerker benötigen. Denn die konjunkturelle Lage dieses Wirtschaftszweigs sei so stabil wie seit langem nicht mehr. „Fakt ist: Dem Handwerk geht es gut und wird es auch in den kommenden Jahren gut gehen“, unterstrich Herrmann. Rosige Aussichten also für die 293 Junghandwerker, die am Freitagabend im CCP bei der „Gesell 2019“ den erfolgreichen Abschluss ihrer Lehre feiern konnten.

Ein Anlass, den sich, neben den Familien der Gesellen, auch zahlreiche prominente Gäste, angefangen bei Landrat Bastian Rosenau über Sozialdezernent Frank Fillbrunn bis zum CDU-Bundestagsabgeordneten Gunther Krichbaum, nicht entgehen lassen wollten. Denn sie alle wissen, welchen Wert die frischgebackenen Gesellen für Stadt und Region haben. „Wenn wir über eine gesunde Wirtschaftsstruktur sprechen, wenn wir die guten Arbeits- und Lebensbedingungen in Pforzheim und im Enzkreis loben, dann hat das Handwerk daran maßgeblichen Anteil“, erklärte Rosenau in seinem Grußwort. Dabei forderte er die Junghandwerker dazu auf, sich auch nach ihrem Abschluss „nicht auf ihren Lorbeeren“ auszuruhen, denn „in der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung gibt es keinen Stillstand.“ Stichwort hierbei sei unter anderem die fortschreitende Digitalisierung, die auch vor dem Handwerk nicht halt mache.

Eine der vielen Aufgaben, die auf die Gesellen auch nach ihrer Freisprechungsfeier zukommt. Denn im Mittelpunkt der „Gesell 2019“ stand nicht nur der erfolgreiche Abschluss, sondern auch die Herausforderungen – aber auch Chancen – denen sich die Junghandwerker nach ihrer Lehrzeit zu stellen haben. Der Umweltschutzgedanke und regenerative Energien, so Herrmann, hätten schon jetzt neue Berufsinhalte geschaffen. Neben klassischen handwerklichen Fertigkeiten würden von den Betrieben zudem immer stärker beratende Dienstleistungen und spezialisierte Serviceangebote erwartet. Für die Branche selbst sei die Nachwuchsgewinnung die größte Herausforderung für die Zukunft. Das verstärkte Werben um Frauen, aber auch der Gang an die Gymnasien, könnten hier Abhilfe schaffen.

Wie die Zukunft noch aussehen könnte, zeigte Roboter „Nox“ auf der Bühne, der – nach einem fulminanten Auftritt der Tanzgruppe „La Boom“ – nicht nur das Publikum begrüßte, sondern auch ein Tänzchen mit PZ-Redaktionsmitglied Laura Cichecki wagte (3. Bild). Diese fühlte im Anschluss einigen der diesjährigen Innungs- und Kammersiegern auf den Zahn, ob sie ihren Gang ins Handwerk denn empfehlen könnten. „Es war die richtige Entscheidung“, betonte der frischgebackene Anlagenmechaniker Janek Schlittenhardt mit einem Strahlen im Gesicht.

Besondere Leistungen verdienen besondere Anerkennung – bei der diesjährigen „Gesell“ durften sich wieder mehrere Handwerker über Förder- und Sonderpreise freuen. Der mit 1000 Euro dotierte Preis der Sparkasse ging an Elektroniker Lucien-Maurice Baier (CET Pforzheim), der der Volksbank, der ebenfalls mit einem Preisgeld von 1000 Euro verbunden ist, an Damen-Maßschneiderin Hannah Bentz vom Stadttheater Pforzheim (4. Bild)). Die Firma MEWA Textil-Service vergab ihren Sonderpreis an den Elektroniker Moritz Schneider (Stadtwerke Mühlacker), der sich über 500 Euro freuen durfte (5. Bild). Auch der Rotary Club Pforzheim-Schloßberg würdigte besonders leistungsstarke Neu-Handwerker mit seinen 300 Euro dotierten Förderpreisen (6. Bild), die in diesem Jahr an Damen-Maßschneiderin Ruth Brabänder (Olivier Maugé, Baden-Baden), Elektroniker Jonathan Götz (Eckert, Pforzheim), Schreiner Gabriel Tippel (U. Fessler, Eisingen), Maurer Jule Janson (H. Ross, Pforzheim) und Anlagenmechaniker Sanitär und Heizung Janek Schlittenhardt (Schlittenhardt, Keltern).

Quelle Text: Pforzheimer Zeitung, Ausgabe vom 26.10.2019

Quelle Bilder: Jürgen Müller, KH